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10. Februar 2025 Watson & Luna

Hund aus dem Tierheim adoptieren: Unsere ehrliche Erfahrung mit Watson & Luna

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Es gibt diesen einen Moment, der alles verändert. Bei mir war es der Blick in Watsons Augen, als wir sie zum ersten Mal im Kölner Tierheim besuchten. Sie saß in ihrer Box, etwas unsicher, etwas ängstlich – aber da war etwas in ihrem Blick, das sagte: "Bitte gib mir eine Chance."

Heute, über sechs Jahre später, kann ich sagen: Die Adoption von Watson und Luna war die beste Entscheidung unseres Lebens. Aber ich möchte ehrlich sein – es war nicht immer einfach. Es gab Tränen, schlaflose Nächte und Momente, in denen ich mich überfordert fühlte. Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel: Damit ihr wisst, was euch wirklich erwartet.

Warum Tierheim? – Die Zahlen, die man kennen sollte

Bevor ich von unserer persönlichen Geschichte erzähle, ein paar Fakten, die mich damals zum Nachdenken gebracht haben:

Tierheime in Deutschland – Die Realität:

  • Jährlich landen rund 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen
  • Viele davon sind gesunde, soziale Hunde, die aus verschiedensten Gründen abgegeben wurden
  • Die häufigsten Abgabegründe: Überforderung, Umzug, Allergien, Trennung, finanzielle Probleme
  • Tierheime arbeiten oft am Limit – personell und finanziell
  • Jede Adoption rettet zwei Leben: Das des adoptierten Hundes und das des Hundes, der den freigewordenen Platz bekommt

Das Konrad-Adenauer-Tierheim Köln

Watson und Luna kommen beide aus dem Konrad-Adenauer-Tierheim in Köln – einem der ältesten Tierheime Deutschlands. Es wurde 1868 gegründet und betreut jährlich über 1.000 Hunde, Katzen und Kleintiere. Das Tierheim liegt in Köln-Zollstock und wird vom Tierschutzverein Köln betrieben.

Was mich damals beeindruckt hat: Die Mitarbeiter dort kennen jeden einzelnen Hund persönlich. Sie wissen, wer verträglich ist, wer Angst hat, wer einen erfahrenen Halter braucht. Diese ehrliche Beratung hat den entscheidenden Unterschied gemacht.

Watsons Geschichte – Von der Straße ins Herz

Watson kam 2018 ins Kölner Tierheim. Sie wurde als Welpe zusammen mit zwei Geschwistern ausgesetzt – einfach auf der Straße zurückgelassen. Keine Chipnummer, kein Halsband, keine Spur von den ursprünglichen Besitzern.

Im Tierheim war Watson zunächst sehr unsicher. Sie kannte keine Wohnung, keine Treppen, keine Alltagsgeräusche. Alles war neu und beängstigend für sie. Die Pfleger im Tierheim haben sich wunderbar um sie gekümmert und langsam aufgebaut.

Als wir Watson zum ersten Mal besucht haben, war sie zurückhaltend, aber neugierig. Sie hat sich langsam angenähert, meine Hand beschnuppert und dann vorsichtig ihren Kopf an mein Bein gelehnt. In diesem Moment wusste ich: Sie kommt mit nach Hause.

Watson auf einen Blick:

  • Rasse: Französische Bulldogge
  • Bei uns seit: 2018
  • Herkunft: Als Welpe mit 2 Geschwistern auf der Straße ausgesetzt
  • Charakter: Sensibel, verschmust, ein bisschen diva-haft, liebt Leckerlis über alles
  • Spitzname: Muckie

Lunas Geschichte – Im Tierheim geboren

Lunas Geschichte ist noch besonderer: Sie wurde 2019 direkt im Tierheim geboren. Ihre Mama war eine junge Französische Bulldogge, die selbst noch keine zwölf Monate alt war, als sie ins Tierheim kam – bereits trächtig. Wer Lunas Papa ist oder welcher Rasse er angehört, wissen wir nicht.

Was wir wissen: Luna hat vom ersten Tag an im Tierheim die Herzen aller erobert. Sie war ein quirliges, verspieltes Welpen-Energiebündel, das jeden zum Lachen brachte. Als wir sie besuchten, sprang sie sofort auf uns zu, leckte uns ab und wollte spielen. Es war Liebe auf den ersten Blick – und Watson verstand sich sofort blendend mit ihr.

Luna auf einen Blick:

  • Rasse: Französische Bulldogge Mix (Mama: Frenchie, Papa: unbekannt)
  • Bei uns seit: 2019
  • Herkunft: Im Tierheim geboren, Mama war selbst noch unter 1 Jahr alt
  • Charakter: Energiegeladen, verspielt, ball-verrückt, Wasserratte, clever
  • Spitzname: Die Ball-Queen

Die ersten Wochen – Die 3-3-3-Regel

Viele Menschen denken, ein Hund aus dem Tierheim ist sofort "der perfekte Familienhund". Die Realität sieht anders aus. Es gibt eine Faustregel, die ich jedem ans Herz legen möchte:

Die 3-3-3-Regel für Tierheimhunde:

Die ersten 3 Tage:

  • Der Hund ist überwältigt und gestresst
  • Er frisst möglicherweise wenig, schläft viel oder gar nicht
  • Er zeigt nicht sein wahres Wesen – er ist im "Überlebensmodus"
  • Gebt ihm Ruhe, einen festen Platz, klare Routinen

Die ersten 3 Wochen:

  • Der Hund beginnt, sich einzuleben und Grenzen auszutesten
  • Erste Verhaltensauffälligkeiten können auftreten (die vorher nicht sichtbar waren)
  • Er lernt eure Routinen und Regeln kennen
  • Jetzt zeigt er langsam sein echtes Temperament

Die ersten 3 Monate:

  • Der Hund fühlt sich sicher und zeigt sein volles Wesen
  • Die Bindung festigt sich
  • Verhaltensprobleme stabilisieren sich oder werden besser
  • Ihr seid ein echtes Team geworden

Bei Watson hat das ziemlich genau gepasst. Die ersten Tage war sie total überfordert – hat nicht gefressen, sich in eine Ecke verkrochen und bei jedem Geräusch gezittert. Nach drei Wochen hat sie angefangen, uns zu vertrauen und zeigte erste freche Züge. Nach drei Monaten war sie die kleine Königin des Hauses.

Bei Luna war es anders – sie war von Tag eins ein Wirbelwind. Aber auch sie brauchte Zeit, um die Regeln zu lernen (nein, das Sofa ist kein Trampolin, Luna!).

Gesundheitliche Herausforderungen – Ehrlich und offen

Ich möchte hier ganz ehrlich sein, denn das gehört zur Wahrheit dazu: Tierheimhunde können gesundheitliche Vorgeschichten haben, über die man beim Einzug nicht alles weiß.

Watson – Die Empfindliche

Watson hatte und hat einige gesundheitliche Themen:

  • Keilwirbel: Ein rassetypisches Problem bei Französischen Bulldoggen. Watsons Rücken ist nicht perfekt, aber mit Physiotherapie und angepasster Bewegung lebt sie gut damit.
  • Juckende Ohren: Chronisch entzündete Ohren, die regelmäßig gereinigt werden müssen. Seit der Futterumstellung deutlich besser, aber nicht komplett weg.
  • Blasenkristalle (Struvit): Wurden bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Durch die Ernährungsumstellung auf veganes Futter und viel Trinken unter Kontrolle.
  • Futtermittelunverträglichkeit: Reagiert auf tierisches Protein mit Pfotenlecken und Hautirritationen.

Luna – Das Energiebündel

Luna ist gesundheitlich das komplette Gegenteil von Watson: kerngesund. Sie hatte noch nie ernsthafte gesundheitliche Probleme, frisst alles, verträgt alles und hat die Energie von drei Hunden. Ihre jährlichen Gesundheitschecks sind immer unauffällig.

Das zeigt: Jeder Hund ist anders – auch wenn sie aus demselben Tierheim kommen. Seid darauf vorbereitet, dass ihr möglicherweise Tierarztkosten haben werdet, die ihr vorher nicht eingeplant habt.

Unser Tipp: Legt von Anfang an ein Tierarzt-Sparschwein an! Wir legen monatlich 50 Euro pro Hund zur Seite. So sind wir für unerwartete Kosten gewappnet, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

Mythen über Tierheimhunde – Was stimmt wirklich?

Mythos 1: "Tierheimhunde sind alle traumatisiert und verhaltensauffällig"

Falsch. Viele Tierheimhunde sind völlig normale Hunde, die durch Umstände wie Umzug, Scheidung oder finanzielle Probleme abgegeben wurden. Ja, manche haben schlechte Erfahrungen gemacht – aber das bedeutet nicht, dass sie "kaputt" sind. Watson war anfangs unsicher, ist aber heute die selbstbewussteste kleine Diva, die man sich vorstellen kann.

Mythos 2: "Im Tierheim gibt es nur alte Hunde und Mischlinge"

Falsch. Im Tierheim findet man Hunde jeden Alters, jeder Rasse und jeder Größe. Watson ist eine reinrassige Französische Bulldogge, Luna ein Frenchie-Mix – beide kamen als Welpen/Junghunde ins Tierheim. Rassehunde machen laut Deutschem Tierschutzbund etwa 30% der Tierheimhunde aus.

Mythos 3: "Ein Hund vom Züchter ist besser sozialisiert"

Nicht unbedingt. Ein guter Züchter sozialisiert seine Welpen – aber ein gutes Tierheim tut das auch. Die Pfleger im Kölner Tierheim haben sich intensiv mit Watson und Luna beschäftigt, sie an Alltagsgeräusche gewöhnt und mit anderen Hunden sozialisiert. Und: Beim Züchter wisst ihr auch nicht immer, was ihr bekommt.

Mythos 4: "Die Adoption ist kompliziert und dauert ewig"

Teilweise richtig – aber das ist gut so! Seriöse Tierheime machen es einem nicht zu leicht. Sie führen Vorgespräche, Hausbesuche und eine Kennenlernphase durch. Das ist kein Schikane – es ist Verantwortung. Bei Watson hatten wir drei Besuche und ein Vorgespräch, bevor wir sie mitnehmen durften. Das hat uns allen geholfen.

Köln mit Hund – Unsere Lieblingsorte

Köln ist eine wunderbare Hundestadt! Mit Watson und Luna erkunden wir regelmäßig die schönsten Ecken.

Köln in Zahlen (für Hundebesitzer):

  • 93 offizielle Freilaufflächen für Hunde im Kölner Stadtgebiet
  • Das Rheinufer bietet kilometerlange Spazierwege
  • Der Höhenfelder See ist im Sommer perfekt für wasserliebende Hunde (Luna liebt es!)
  • Der Stadtwald und der Grüngürtel bieten tolle Wald-Spaziergänge
  • Viele hundefreundliche Cafés und Restaurants in der Südstadt und im Belgischen Viertel

Lunas absoluter Lieblingsort ist der Höhenfelder See – dort kann sie schwimmen, Bälle apportieren und andere Hunde treffen. Watson bevorzugt gemütlichere Spaziergänge am Rheinufer, mit vielen Pausen für Streicheleinheiten von Passanten (sie ist ein absoluter Charmebolzen).

Checkliste für Adoptanten – Seid ihr bereit?

Phase 1: Vor der Adoption

  • Habt ihr genug Zeit? Ein Hund braucht 2-4 Stunden aktive Beschäftigung täglich
  • Habt ihr genug Platz? Auch kleine Hunde brauchen Raum
  • Könnt ihr euch Tierarztkosten leisten? (Notfall-Budget: mindestens 1.000 Euro)
  • Ist euer Vermieter einverstanden? (Schriftlich!)
  • Wer versorgt den Hund im Urlaub oder bei Krankheit?
  • Sind alle Familienmitglieder einverstanden?
  • Seid ihr bereit für eine Verpflichtung von 10-15 Jahren?

Phase 2: Im Tierheim

  • Besucht das Tierheim mehrmals – nicht beim ersten Besuch entscheiden
  • Fragt die Pfleger nach dem echten Charakter des Hundes (nicht nur nach dem ersten Eindruck)
  • Macht Spaziergänge mit dem Hund außerhalb des Tierheims
  • Fragt nach bekannten Gesundheitsproblemen und Vorgeschichte
  • Lasst euch ehrlich beraten – ein gutes Tierheim empfiehlt euch den passenden Hund, nicht unbedingt den, den ihr euch vorgestellt habt

Phase 3: Die ersten Wochen

  • Nehmt euch mindestens eine Woche frei (besser zwei)
  • Etabliert feste Routinen (Fütterungszeiten, Gassirunden, Schlafplatz)
  • Überlastet den Hund nicht – weniger ist am Anfang mehr
  • Gebt ihm einen Rückzugsort, der nur ihm gehört
  • Seid geduldig – die 3-3-3-Regel beachten!
  • Meldet euch zeitnah beim Tierarzt für einen Gesundheitscheck an
  • Überlegt, ob eine Hundeschule sinnvoll ist (für euch beide!)

Häufig gestellte Fragen

Was kostet die Adoption eines Tierheimhundes?

Die Schutzgebühr im Kölner Tierheim beträgt je nach Alter und Größe des Hundes ca. 200-350 Euro. Darin enthalten sind meist die Grundimpfungen, Chipnummer, Kastration (falls durchgeführt) und eine tierärztliche Untersuchung. Im Vergleich zu Züchterpreisen von 2.000-4.000 Euro für Französische Bulldoggen ist das ein Bruchteil – und ihr rettet ein Leben.

Kann ich den Hund zurückgeben, wenn es nicht passt?

Ja, seriöse Tierheime nehmen ihre Hunde jederzeit zurück – das ist im Schutzvertrag festgelegt. Es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass es nicht passt. Besser eine ehrliche Rückgabe als ein unglücklicher Hund und ein überfordecter Halter. Allerdings: Gebt dem Hund und euch mindestens 3 Monate Zeit (die 3-3-3-Regel!).

Sind Tierheimhunde für Anfänger geeignet?

Ja, viele! Die Pfleger können euch gezielt Hunde empfehlen, die für Erstbesitzer geeignet sind. Seid ehrlich über eure Erfahrung – ein gutes Tierheim wird euch keinen Hund vermitteln, der euch überfordert. Watson und Luna waren unsere ersten eigenen Hunde, und mit ehrlicher Selbsteinschätzung und guter Beratung hat es wunderbar funktioniert.

Wie finde ich das richtige Tierheim?

Achtet auf Transparenz, Sauberkeit und ehrliche Beratung. Ein gutes Tierheim stellt euch Fragen (und nicht nur umgekehrt). Es führt Vorgespräche und ggf. Hausbesuche durch. Schaut euch auch die Online-Bewertungen an und besucht das Tierheim persönlich. Der Deutsche Tierschutzbund (tierschutzbund.de) listet seriöse Tierheime in eurer Nähe.

Fazit – Adopt, don't shop

Watson und Luna haben unser Leben unendlich bereichert. Sie haben uns gezeigt, dass Tierheimhunde keine "Hunde zweiter Klasse" sind – im Gegenteil. Sie sind dankbar, loyal und voller Liebe. Ja, es braucht Geduld und Verständnis. Ja, es gibt gesundheitliche und emotionale Herausforderungen. Aber was ihr zurückbekommt, ist unbezahlbar.

Wenn ihr darüber nachdenkt, einem Hund ein Zuhause zu geben: Schaut zuerst im Tierheim vorbei. Gebt den Hunden dort eine Chance. Sie warten auf euch.

Unsere wichtigsten Learnings:

  1. Informiert euch gründlich – Lest, fragt, besucht Tierheime
  2. Seid ehrlich zu euch selbst – Über eure Zeit, euer Budget, eure Erfahrung
  3. Gebt dem Hund Zeit – Die 3-3-3-Regel ist Gold wert
  4. Plant Tierarztkosten ein – Monatliches Sparschwein anlegen
  5. Hört auf die Tierheim-Mitarbeiter – Sie kennen die Hunde am besten
  6. Seid geduldig – Die schönsten Bindungen brauchen Zeit
  7. Genießt es! – Es gibt nichts Schöneres als die Liebe eines geretteten Hundes

Watson und Luna sagen Danke – ans Kölner Tierheim und an alle Menschen, die Tierheimhunden eine Chance geben.

Quellen und weiterführende Links

[1] Deutscher Tierschutzbund: Tierheime in Deutschland – Zahlen und Fakten. Link zur Quelle

[2] Konrad-Adenauer-Tierheim Köln – Tierschutzverein für Köln und Umgebung. Link zur Website

[3] Stadt Köln: Hundefreilaufflächen im Kölner Stadtgebiet. Link zur Übersicht

[4] ASPCA: "The 3-3-3 Rule – What to Expect When Adopting a Dog". Link zum Artikel

[5] Bundestierärztekammer: Ratgeber für Hundehalter. Link zur Quelle


Letzte Aktualisierung: 10.02.2025

Autor: Watson & Luna

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