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15. Februar 2025 Watson & Luna

Vegane Hundernährung: Was wir mit Watson & Luna gelernt haben

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Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal laut darüber nachgedacht habe, Watson und Luna vegan zu ernähren, waren die Reaktionen eindeutig: "Das kannst du einem Hund doch nicht antun!" – Von besorgten Verwandten bis zu empörten Kommentaren auf Social Media. Ich verstehe diese Reaktion. Wirklich. Denn auch ich hatte anfangs große Zweifel.

Aber dann kam der Punkt, an dem ich nicht mehr wegschauen konnte. Watson hatte massive gesundheitliche Probleme – und die hingen direkt mit ihrem Futter zusammen. Das hat alles verändert.

In diesem Artikel teile ich unsere ehrliche Erfahrung mit veganer Hundernährung. Kein Dogma, keine Missionierung – nur das, was wir erlebt, gelernt und mit unserer Tierärztin besprochen haben. Watson und Luna sind zwei Französische Bulldoggen aus dem Kölner Tierheim, und ihre Geschichte zeigt: Manchmal führen unerwartete Wege zu den besten Lösungen.

Warum überhaupt vegan? – Watsons Geschichte

Watson war schon immer eine empfindliche Hündin. Aber irgendwann wurde es richtig schlimm:

  • Ständiges Pfotenlecken: Watson leckte sich die Pfoten wund – ein klassisches Zeichen für Futtermittelunverträglichkeiten. Besonders nach dem Fressen wurde es schlimmer.
  • Blasenkristalle (Struvit): Bei einer Routineuntersuchung entdeckte unsere Tierärztin Struvitkristalle in der Blase. Das ist schmerzhaft und kann zu gefährlichen Blasensteinen führen.
  • Juckende Ohren: Ständig entzündete Ohren, die trotz Behandlung immer wiederkamen.

Unsere Tierärztin empfahl eine Ausschlussdiät, um die Ursache zu finden. Wir probierten verschiedene Proteinquellen durch – Lamm, Pferd, Insekten. Als wir schließlich auf pflanzliche Ernährung umstellten, passierte etwas Erstaunliches: Die Symptome verschwanden. Das Pfotenlecken hörte auf, die Ohren beruhigten sich, und bei der nächsten Kontrolle waren die Blasenkristalle deutlich reduziert.

Wichtig zu verstehen:

Wir haben Watson nicht aus ideologischen Gründen vegan ernährt. Es war eine medizinische Entscheidung, die wir zusammen mit unserer Tierärztin getroffen haben. Die vegane Ernährung war die Lösung für Watsons Gesundheitsprobleme – und das ist der Grund, warum wir dabei geblieben sind.

Was die Wissenschaft sagt

Bevor ich euch von unserem Alltag erzähle, möchte ich über die wissenschaftlichen Fakten sprechen. Denn klar: Nur weil es bei Watson funktioniert hat, heißt das nicht automatisch, dass es für jeden Hund geeignet ist.

Die PLOS ONE Studie (Knight et al. 2022)

Die bisher größte Studie zu veganer Hundernährung wurde 2022 in der renommierten Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht. Forscher der University of Winchester befragten die Halter von 2.536 Hunden über den Gesundheitszustand ihrer Tiere.

Ergebnisse der Studie:

  • Vegan ernährte Hunde zeigten insgesamt weniger Gesundheitsprobleme als konventionell ernährte Hunde
  • Sie benötigten seltener Medikamente
  • Die Halter berichteten von weniger Tierarztbesuchen aufgrund von Krankheiten
  • Wichtig: Die Studie basiert auf Halter-Befragungen, nicht auf klinischen Untersuchungen

Hunde sind keine Wölfe – sie sind Allesfresser

Ein häufiges Argument gegen vegane Hundernährung lautet: "Hunde stammen vom Wolf ab und brauchen Fleisch." Das stimmt so nicht ganz. Hunde haben sich über Jahrtausende an die menschliche Ernährung angepasst.

Entscheidend ist das sogenannte AMY2B-Gen: Hunde besitzen bis zu 30 Kopien dieses Gens, das für die Verdauung von Stärke zuständig ist – Wölfe haben nur zwei. Das bedeutet: Hunde können pflanzliche Nahrung deutlich besser verwerten als ihre wilden Vorfahren. Sie sind wissenschaftlich gesehen Omnivoren (Allesfresser), keine obligaten Karnivoren wie Katzen.

Achtung: Was für Hunde funktionieren kann, gilt NICHT für Katzen! Katzen sind obligate Karnivoren und können nicht vegan ernährt werden, ohne schwere gesundheitliche Schäden zu erleiden. Bitte verwechselt das nicht!

Kritische Nährstoffe – Worauf ihr achten müsst

Eine vegane Hundernährung kann funktionieren – aber nur, wenn die Nährstoffversorgung stimmt. Es gibt einige Nährstoffe, die in pflanzlicher Nahrung nicht oder nicht ausreichend vorkommen und zwingend supplementiert werden müssen.

Taurin

Taurin ist eine Aminosäure, die für die Herzgesundheit essentiell ist. Ein Taurinmangel kann zu dilatativer Kardiomyopathie (DCM) führen – einer gefährlichen Herzerkrankung. In Fleisch ist Taurin natürlich enthalten, bei veganer Ernährung muss es supplementiert werden.

Vitamin B12

B12 kommt fast ausschließlich in tierischen Produkten vor. Ein Mangel führt zu Blutarmut, neurologischen Problemen und Schwäche. Supplementierung ist bei veganer Ernährung absolut notwendig.

Omega-3-Fettsäuren (DHA & EPA)

Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA sind wichtig für Haut, Fell, Gehirn und Gelenke. Pflanzliche Omega-3-Quellen (wie Leinsamen) enthalten nur ALA, das Hunde nur schlecht in DHA/EPA umwandeln können. Die Lösung: Algenöl – es enthält DHA und EPA direkt, ohne den Umweg über Fischöl.

Calcium und L-Carnitin

Calcium ist wichtig für Knochen und Zähne. In veganer Ernährung kann es über Algen oder spezielle Supplements zugeführt werden. L-Carnitin spielt eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel und für die Herzgesundheit. Auch hier ist eine Supplementierung sinnvoll.

Checkliste kritische Nährstoffe:

  • Taurin – für die Herzgesundheit
  • Vitamin B12 – für Blutbildung und Nervensystem
  • Omega-3 (DHA/EPA) – über Algenöl
  • Calcium – für Knochen und Zähne
  • L-Carnitin – für Fettstoffwechsel und Herz
  • Vitamin D – wird oft zu wenig über pflanzliche Quellen aufgenommen
  • Zink und Eisen – Bioverfügbarkeit aus Pflanzen ist geringer

Unser Alltag – So sieht vegane Hundernährung praktisch aus

Theorie ist das eine – aber wie sieht es im Alltag aus? Bei Watson und Luna haben wir uns für eine Kombination aus zertifiziertem veganem Alleinfutter und gezielten Ergänzungen entschieden.

Unser Futterplan

Tägliche Mahlzeiten (Watson & Luna):

Morgens:

  • Zertifiziertes veganes Trockenfutter (VEGDOG All-In Veluxe)
  • Ein Schuss Algenöl für Omega-3
  • Kräuter-Futtertopping (Petersilie, Thymian, Seealgen)

Abends:

  • Zertifiziertes veganes Trockenfutter
  • Frisches Gemüse als Topping (Karotten, Gurke, Zucchini, Süßkartoffel)

Leckerlis:

  • Vegane Trainings-Leckerlis (VEGDOG oder selbstgemacht)
  • Kauwurzeln aus Olivenholz
  • Getrocknete Süßkartoffel-Chips
  • Frisches Obst (Apfel, Banane, Blaubeeren)

Warum zertifiziertes Alleinfutter?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt: Bitte kocht nicht einfach selbst veganes Futter zusammen! Die Nährstoffbalance ist extrem komplex. Zertifizierte vegane Alleinfuttermittel wie VEGDOG sind von Veterinärmedizinern entwickelt und enthalten alle notwendigen Nährstoffe – inklusive der kritischen Supplements wie Taurin, B12 und L-Carnitin. Sie erfüllen die FEDIAF-Richtlinien (European Pet Food Industry Federation).

Wichtig: Wenn ihr euren Hund vegan ernähren möchtet, nutzt ausschließlich zertifiziertes veganes Alleinfutter, das alle FEDIAF-Standards erfüllt. Selbstgekochte Rationen ohne professionelle Rationsberechnung können zu schweren Mangelerscheinungen führen!

Was Watson und Luna davon halten

Die wichtigste Frage: Schmeckt es ihnen? Kurze Antwort: Ja! Luna war anfangs etwas skeptisch (sie ist generell wählerisch), aber nach ein paar Tagen hat sie das vegane Futter genauso begeistert gefressen wie vorher. Watson war sofort dabei – sie frisst sowieso alles mit Begeisterung.

Was mich besonders gefreut hat: Beide haben sichtbar mehr Energie, das Fell glänzt wunderschön, und Watson hat seit der Umstellung keine Probleme mehr mit den Pfoten oder Ohren. Die Blasenkristalle sind unter Kontrolle.

Tierarzt-Checks – Regelmäßige Kontrolle ist Pflicht

Das kann ich nicht genug betonen: Wer seinen Hund vegan ernährt, muss regelmäßig zum Tierarzt. Das ist keine Option, das ist Pflicht.

Unsere Kontroll-Routine:

  • Alle 6 Monate: Allgemeine Vorsorgeuntersuchung (Gewicht, Zähne, Gelenke, Haut/Fell)
  • Einmal jährlich: Großes Blutbild mit folgenden Werten:
    • Taurin-Spiegel
    • Vitamin B12
    • Eisen und Ferritin
    • Schilddrüsenwerte
    • Nieren- und Leberwerte
    • Blutbild (Erythrozyten, Leukozyten)
  • Bei Watson zusätzlich: Urinuntersuchung auf Struvitkristalle (alle 6 Monate)

Die Ergebnisse bei Watson und Luna: Seit über drei Jahren sind alle Blutwerte im Normalbereich. Unsere Tierärztin war anfangs skeptisch, ist aber mittlerweile von den Ergebnissen überzeugt. Watson geht es gesundheitlich so gut wie nie zuvor.

Häufig gestellte Fragen

Ist vegane Hundernährung nicht Tierquälerei?

Das ist die häufigste Frage – und ich verstehe sie. Aber: Wenn ein Hund mit veganem Futter nachweislich gesund ist (bestätigt durch regelmäßige Blutbilder), alle Nährstoffe bekommt und das Futter gerne frisst – wo ist dann das Problem? Bei Watson war die konventionelle Ernährung das eigentliche Problem. Die vegane Ernährung hat ihre Gesundheit verbessert, nicht verschlechtert. Tierquälerei wäre es, ihr weiterhin Futter zu geben, das sie krank macht.

Ist veganes Hundefutter nicht viel teurer?

Qualitativ hochwertiges veganes Alleinfutter kostet etwa 5-8 Euro pro Kilogramm – vergleichbar mit gutem konventionellem Futter. Der Algenöl-Zusatz kostet ca. 15-20 Euro und hält mehrere Monate. Wenn man bedenkt, dass wir bei Watson deutlich weniger Tierarztkosten für Allergiebehandlungen haben, ist es unter dem Strich sogar günstiger.

Kann jeder Hund vegan ernährt werden?

Grundsätzlich können erwachsene, gesunde Hunde vegan ernährt werden, wenn die Nährstoffversorgung stimmt. Ausnahmen: Welpen (erhöhter Nährstoffbedarf), trächtige/säugende Hündinnen und Hunde mit bestimmten Vorerkrankungen. Sprecht immer zuerst mit eurem Tierarzt, bevor ihr die Ernährung umstellt!

Was, wenn mein Hund das vegane Futter nicht frisst?

Manche Hunde brauchen eine Umstellungsphase. Mischt am Anfang das neue Futter schrittweise unter das alte (über 7-10 Tage). Frisches Gemüse als Topping kann die Akzeptanz erhöhen. Wenn euer Hund das Futter nach der Umstellungsphase immer noch komplett verweigert, respektiert das – nicht jeder Hund mag veganes Futter.

Fazit – Unser ehrliches Resümee nach über 3 Jahren

Vegane Hundernährung ist kein Allheilmittel und nicht für jeden Hund die richtige Wahl. Aber sie kann – bei richtiger Umsetzung und tierärztlicher Begleitung – eine vollwertige und gesunde Alternative sein. Bei Watson war sie sogar die medizinisch beste Lösung.

Unsere Checkliste für vegane Hundernährung:

  1. Sprecht mit eurem Tierarzt – Keine Umstellung ohne professionelle Beratung
  2. Nutzt zertifiziertes Alleinfutter – Kein Selbstkochen ohne Rationsberechnung
  3. Supplementiert kritische Nährstoffe – Taurin, B12, Omega-3, Calcium, L-Carnitin
  4. Regelmäßige Blutbilder – Mindestens einmal jährlich großes Blutbild
  5. Beobachtet euren Hund – Fell, Energie, Verdauung, Gewicht im Auge behalten
  6. Seid offen für Anpassungen – Wenn es nicht funktioniert, ändert den Plan
  7. Kein Dogma – Es geht um die Gesundheit eures Hundes, nicht um Ideologie

Watson und Luna geht es großartig. Watson hat keine Allergieprobleme mehr, keine Blasenkristalle, und ihr Fell glänzt wunderschön. Luna ist ein Energiebündel wie eh und je. Und das Wichtigste: Beide fressen ihr Futter mit Begeisterung.

Wenn ihr Fragen zu unserer Erfahrung habt, schreibt uns gerne. Wir teilen unser Wissen – ohne Missionierung, aber mit der Überzeugung, dass informierte Entscheidungen die besten sind.

Quellen

[1] Knight, A. & Satchell, L. (2022): "Vegan versus meat-based dog food: Guardian-reported indicators of health". PLOS ONE 17(4): e0265662. Link zur Studie

[2] Axelsson, E. et al. (2013): "The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet". Nature 495, 360-364. Link zur Studie

[3] Dodd, S. et al. (2021): "Plant-based diets for dogs". Journal of the American Veterinary Medical Association, 259(11). Link zur Studie

[4] VEGDOG: Wissenschaftliche Grundlagen veganer Hundernährung. Link zur Quelle

[5] FEDIAF – European Pet Food Industry Federation: Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. Link zur Quelle


Letzte Aktualisierung: 15.02.2025

Autor: Watson & Luna

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bitte sprecht immer mit eurem Tierarzt, bevor ihr die Ernährung eures Hundes umstellt.

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